MITTEILUNGEN // BGA-POSITIONEN
BASEL III: Herausforderung an die Finanzierung von Banken und Mittelstand
Die Finanzkrise hat bei den Unternehmen zu einem strategischen Umdenken geführt. Eine sichere Unternehmensfinanzierung zu attraktiven Konditionen ist ein zentraler Baustein vorausschauenden unternehmerischen Handelns. Die Finanzkrise hat nach Basel II zu einer erneuten Anspannung der Unternehmensfinanzierung geführt. Die vielfach befürchtete Kreditklemme ist jedoch erfreulicherweise ausgeblieben. Politik, Kreditwirtschaft und Unternehmen haben umsichtig und vorausschauend gehandelt.
Die Unternehmen sind heute auf Konjunkturschwankungen und -krisen besser gerüstet als noch vor Jahren. Sie haben insbesondere Basel II als Herausforderung verstanden, ihre Eigenkapitalsituation deutlich zu verbessern und dadurch Vorsorge für schwierigere Zeiten zu treffen. Eigenkapitalquoten von 25 Prozent und mehr sind beispielsweise im Großhandel verglichen mit früheren Zeiten heute keine Seltenheit mehr. Aus diesem Grunde sind die Unternehmen gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen.
Geld und Kreditmärkte unter Druck
Eine generelle Entwarnung kann jedoch nicht gegeben werden. Zur Eindämmung der Staatsschuldenkrise hat die Europäische Zentralbank die Geldmärkte mit Liquidität geflutet. Geld ist damit reichlich vorhanden. Angesichts einer weiterhin über dem Zielkorridor von zwei Prozent liegenden Inflation im Euro-Raum steht das Ziel der Preisstabilität unter Druck. Mittelfristig muss dieser Druck aus einer hohen Liquidität wieder konjunkturverträglich abgebaut werden, wenn stabilisierende Gegenmaßnahmen der Europäischen Zentralbank nicht auf die Unternehmensfinanzierung durchschlagen sollen. Ein potenzieller Zinsdruck aus einer anhaltend hohen Inflation ist die eine fundamentale Herausforderung, mit der wir uns mittelfristig konfrontiert sehen, wenn wir über die Finanzierungssituation der Unternehmen sprechen.
Die andere zentrale Herausforderung an die Unternehmensfinanzierung ergibt sich aus den sich verändernden und verschärfenden Anforderungen an die Bankenfinanzierung. Bankenabgabe, Einlagensicherung, Finanztransaktionsteuer und insbesondere die Anforderungen aus Basel III erhöhen den Druck auf den Bankensektor, mehr Eigenkapital zur Risikovorsorge vorzuhalten. Für Unternehmen aller Größen und Branchen ist bis heute der Bankkredit das wichtigste Finanzierungselement in Deutschland. Durch die Vorschriften werden Banken gezwungen sein, die Laufzeiten aufgenommener und ausgegebener Kredite stärker an einander anzugleichen. Die Möglichkeit einen ausgegebenen langfristigen Kredit durch mehrere kurzfristige und damit in der Regel günstigere Kredite zu finanzieren, wird damit eingeschränkt.
Empfehlungen an Politik und Unternehmen
Für die Unternehmen stellt sich somit die Frage, ob Konditionen und Zinsen auch künftig attraktiv bleiben. Hier sind Zweifel angebracht. Unternehmen müssen damit rechnen, dass es für sie in Zukunft tendenziell teurer und schwieriger wird, vor allem langfristige Kredite zu erhalten. Insbesondere kann nicht ausgeschlossen werden, dass gerade Unternehmen mit mittlerem Rating mit höheren Finanzierungskosten und höheren Anforderungen an Sicherheiten rechnen müssen. Vor allem risikobehaftete Investitionen oder die Finanzierung von Unternehmensnachfolgen könnten teurer werden.
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) unterstützt vor diesem Hintergrund die Bemühungen von Kreditwirtschaft und Realwirtschaft, die Risikogewichte für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen um ein Drittel abzusenken, um zumindest den Status Quo der Eigenkapitalunterlegungshöhe zu erhalten. Auch sollten die Liquiditätsvorschriften der Wirtschaftsstruktur Europas entsprechen, die bewährte langfristige Finanzierungskultur nicht gefährden und die Unternehmen bei der Kreditvergabe nicht systematisch benachteiligen. Export- und Handelsfinanzierungen sowie klassische Außenhandelsfinanzierungsinstrumente wie das Akkreditiv dürfen durch das Basel III-Regelwerk nicht beeinträchtigt werden. Daher die vorgesehene Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) allenfalls als Beobachtungsgröße eingeführt werden, und bei der Unterlegung von Exportkrediten ein geringere Faktor als 100 Prozent angesetzt werden.
Um die Verbürgung von KMU-Krediten künftig nicht einzuschränken, muss auf europäischer Ebene sichergestellt werden, dass von den Bürgschaftsbanken verbürgte Kredite weiterhin die gleichen niedrigen Risikogewichte behalten wie bisher. Von der deutschen Politik erwarten wir ein entsprechend nachhaltiges Engagement für die Interessen der deutschen Wirtschaft für eine so ausgestaltete Umsetzung von Basel III.
Vorausschauendes Handeln bleibt ratsam
Unternehmen sollten sich nicht allein auf diese politischen Maßnahmen konzentrieren, sondern auch eigene Handlungsmöglichkeiten erkennen und konsequent nutzen. Dazu zählen neben einer strategischen Entwicklung der Finanzkommunikation über optimale Finanzierungslösungen mit der Hausbank, insbesondere die weitere stetige Verbesserung der Eigenkapitalquote durch die Einbehaltung von Gewinnen im Unternehmen oder Beteiligungsfinanzierungen, beispielsweise durch Beteiligungsgesellschaften zur Wachstumsfinanzierung, aber auch durch innerbetriebliche Optimierungen im Forderungs- und Kreditmanagement, oder Finanzierungsalternativen wie Factoring und Leasing. Durch ein verbessertes Rating sinken letztlich die Kreditrisiken für Banken und werden die Kreditkonditionen für die Kunden besser.
TIPP: Unternehmen, die sich zur Optimierung ihres Finanzmanagements beraten lassen wollen, können sich über Fördermöglichkeiten bei der Bundesbetriebsberatungsstelle für den Deutschen Groß- und Außenhandel (BBG) GmbH unter www.betriebsberatungsstelle.de informieren. In Kürze wird auch der BBG-Ratgeber 1/2012 zum Thema Basel III erscheinen.






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