Direkt aus Berlin

Wochennachrichten aus Politik und Wirtschaft | Ausgabe 2 | 30. Januar 2020

 

Thema der Woche

Weichenstellungen für den Großhandel – Breites Themenspektrum bei der diesjährigen BGA-Geschäftsführerkonferenz

Gleich zu Beginn folgte mit dem Austausch mit Bundesminister Jens Spahn bereits der politische Höhepunkt des abwechslungsreichen Programms der BGA-Geschäftsführerkonferenz zum Jahresauftakt. Doch auch die weiteren Themen standen seinen Ausführungen in nichts nach. Geschäftsführer verschiedener Mitgliedsverbände stellten gemeinsamen mit ihren wissenschaftlichen Projektpartnern laufende und geplante Projekte wie die „Toolbox zur Gestaltung der digitalen Transformation“, das Kompetenzzentrum Handel, „Großhandel 2025 – Potentiale der Digitalisierung“ sowie die Schwerpunkte einer möglichen Großhandelsstrategie 2030 vor. Am Folgetag wurde der bunte Themenstrauß um das Thema „Roadshow zum neuen Berufsbild“ ergänzt.

Minister Spahn, zugleich Präsidiumsmitglied seiner Partei, gab einen tiefen Einblick in die sozial- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen zum Beginn der 20er Jahre, wie ein Teilnehmer treffend in den sozialen Medien vermerkte, und traf damit ganz offensichtlich den richtigen Ton und den Nerv der Zuhörer. Dabei kritisierte er die schlechte Debattenkultur in Deutschland und warb dafür, andere Meinungen anzuhören und nicht ausschließlich in Freund-oder-Feind-Kategorien zu unterteilen.

Der anschließende Beitrag zur Projektarbeit wurde genutzt, um ein Bewusstsein für die Diskussion um ein drohendes Lieferkettengesetz zu schaffen. Dieses wird deutsche Unternehmen zur Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutz entlang der gesamten Lieferkette verpflichten und sieht bei Verstößen u.a. Gefängnisstrafen vor. Anhand der vergangenen BGA-Aktivitäten wurde nochmals verdeutlicht, dass man auf die Mitarbeit der Mitgliedsverbände angewiesen ist, um in diesem Prozess eine den Branchenbedürfnissen angemessene Position vertreten zu können.

Die Potentiale und die Entwicklung des Großhandels in der Digitalisierung

Zum Einstieg stellten Dr. Gregor Wittmann (ibi research) und Frank Hurtmanns (LGAD) das Kompetenzzentrum Handel und insbesondere die bislang geplanten B2B-Inhalte und -Formate vor sowie die Digitalisierungsinitiative des bayrischen Landesverbandes. Neben den bisherigen Themen und Formaten, die u.a. in einem Workshop und gemeinsamen Gesprächen entwickelt wurden und die von allen BGA-Mitgliedsverbänden genutzt werden können, besteht darüber hinaus aber auch die Möglichkeit, weitere – eigene – Ideen aus dem B2B-Bereich zu entwickeln und umzusetzen, wie Wittmann deutlich machte. 

Die Wirkungsfähigkeit von Kooperationsansätzen in der Digitalisierung ist der Kerngedanke eines gemeinsamen Projektes des Technischen Großhandels (VTH) mit dem Institut für Handelsforschung (IfH). Sabrina Mertens vom IFH und Thomas Vierhaus seitens des VTH erläuterten die Leitgedanken, gaben einen Einblick in die Projektarbeit und stellten die bisherigen Ergebnisse vor.

Darauf folgte Prof. Dr. Heiko Wrobel, Professor für Logistik und Großhandel (TH Nürnberg) und Leiter Geschäftsfeld Großhandel, Fraunhofer SCS, Nürnberg, der eine Projektskizze vorstellte für eine Branchen- und Zukunftsanalyse Großhandel, die wiederum das Potential hat, darauf aufbauend eine Strategie bis zum Jahr 2030 zur Sicherung des Großhandels zu entwickeln. So ist beispielsweise bis dato eine engere Verzahnung mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen nur sehr vereinzelt gegeben. Darüber hinaus sind Investitionen des Großhandels in Forschung und Entwicklung im Vergleich mit anderen Branchen und Wirtschaftsstufen seit Jahrzehnten stark unterdurchschnittlich ausgeprägt. Daher laufen Innovationen höherer Komplexität an den Großhandelsunternehmen zunehmend vorbei (z.B. Künstliche Intelligenz, Datengetriebene Geschäftsmodelle und Plattformen, Augmented Reality etc.). 

Wie können Großhandelsunternehmen zusätzliche Wertschöpfung auf Basis unternehmensspezifischer Fähigkeiten generieren?Die „Toolbox zur Gestaltung der digitalen Transformation“, die Boris Behringer (grosshandel bw)  am zweiten Tag vorstellte, hilft dabei, darauf Antworten zu finden und ist das Ergebnis einer Studie, die in Zusammenarbeit des baden-württembergischen Verbandes mit dem Steinbeis-Institut entstanden ist und vom Wirtschaftsministerium des Landes gefördert wurde. Auf Basis der Fähigkeiten des Großhandels wurde dort ein methodisches Vorgehen entwickelt, das Großhändlern die Grundlagen zur Generierung zusätzlicher Wertschöpfung in Netzwerken liefert. Fähigkeiten werden im Rahmen der Studie als unternehmensindividuelle, interdisziplinäre Leistungsbündel zur bestmöglichen Erbringung von Wertschöpfung definiert.

Abgerundet wurde das digitale Leistungsangebot schließlich durch Martin Groß-Albenhausen (bevh), der eine auf die Bedürfnisse des B2B abgestimmte Google-Webinar-Reihe anbot.

Ein prall gefüllter Tag mit Themen, die viel Gesprächsstoff boten. Der Berliner Abend der VGA schaffte einen idealen Rahmen für den intensiven Austausch untereinander.

Roadshow zur Erneuerung der Ausbildung zum Kaufmann/Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement

Mit modernem Profil und unter neuem Namen wird der Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement ab 1. August 2020 ausgebildet und beschult. Damit sich die Unternehmen des Groß- und Außenhandels flächendeckend über die Neuerungen informieren können, organisiert der BGA zusammen mit seinen Mitgliedsverbänden eine Roadshow mit Info-Veranstaltungen. Alexander Kolodzik, Mitglied der BGA-Hauptgeschäftsführung, stellte das finalisierte Konzept vor. Das besondere Zusammenwirken der Regional- und Fachverbände fördert das Netzwerkdenken unter dem Dach des BGA.  [André Schwarz]