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Wochennachrichten aus Politik und Wirtschaft | Ausgabe 13 | 2. Juli 2019

Aktuell

Unternehmensbefragung 2019: Finanzierungsklima trotz konjunktureller Abkühlung weiter auf Allzeithoch

Die Finanzierungssituation der Unternehmen in Deutschland ist weiterhin außerordentlich positiv.

Die Unternehmen verfügen über eine hohe Innenfinanzierungskraft, treffen auf ein niedriges Zinsniveau bei Krediten sowie gelockerte Kreditrichtlinien der deutschen Banken. In der diesjährigen Unternehmensbefragung, die die KfW jährlich gemeinsam mit Spitzenverbänden sowie Fach- und Regionalverbänden der deutschen Wirtschaft durchführt, beträgt der Anteil derjenigen Unternehmen, die von Schwierigkeiten beim Kreditzugang berichten, jetzt 8,9 Prozent. Seit 2012 ist dieser Wert um rund ein Drittel gesunken. Demgegenüber geben 60,6 Prozent der Unternehmen an, dass der Kreditzugang "leicht" sei.

Die Ratingnoten der Unternehmen haben sich erneut auf breiter Front verbessert. 34,5 Prozent der Unternehmen melden Verbesserungen der Ratingnote gegenüber 8,1 Prozent, bei denen sich die Ratingnote verschlechtert hat.

Allerdings sind kleine Unternehmen weiterhin deutlich häufiger von Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme betroffen als große Unternehmen. Immerhin 19,4 Prozent der kleinen Unternehmen (bis 1 Mio. EUR Jahresumsatz) bezeichnen ihren Kreditzugang als schwierig. Da kleine Firmen strukturell bedingt meist über niedrigere Bonitäten verfügen und Probleme haben, ausreichend Sicherheiten zu stellen, werden ihre Kreditanträge häufiger abgelehnt oder sie erhalten weniger vorteilhafte Konditionen als große Unternehmen.

Bankkredite bleiben eine wichtige Finanzierungsquelle: 53,9 Prozent der Unternehmen haben im letzten Jahr Kreditverhandlungen geführt. Allerdings hat sich dieser Anteil in den zurückliegenden Jahren verringert. Der Grund hierfür liegt in erster Linie in der derzeit hohen Innenfinanzierungskraft der Unternehmen.

Der Anteil der Unternehmen, die von gescheiterten Kreditverhandlungen berichten, bewegt sich je nach Laufzeit des Kredits zwischen 9,7 Prozent und 6,9 Prozent. Unternehmen bis 10 Mio. EUR Umsatz berichten je nach Laufzeit zwischen zwei- und viermal häufiger vom Scheitern aller Kreditverhandlungen als Unternehmen mit einem Umsatz von über 10 Mio. EUR.

Entgegen des Trends zur Digitalisierung und zur Schließung von Filialen erwarten Unternehmen von ihren Banken vor allem persönliche Ansprechpartner vor Ort und deren Kontinuität (86,2 Prozent bzw.76,3 Prozent). Allerdings ist der Anteil der Unternehmen, der darüber hinaus Online-Informationen zu Produkten und Dienstleistungen sowie eine einfach zu handhabende Online-Abwicklung von Bankgeschäften erwartet, seit dem Jahr 2013 deutlich gestiegen.

Dr. Volker Zimmermann, Experte für Unternehmensfinanzierung bei KfW Research: „Die gedämpfte konjunkturelle Entwicklung hat sich bislang nicht negativ auf das Finanzierungsklima ausgewirkt. Sollte sich die Konjunktur aufgrund der geopolitischen Risiken jedoch weiter eintrüben, dürfte sich dies negativ auf die Entwicklung der Ratingnoten und in der Folge auch auf den Kreditzugang auswirken.“

Über die Unternehmensbefragung: Die Befragung wurde zum 18. Mal unter Unternehmen aller Größenklassen, Wirtschaftszweige, Rechtsformen und Regionen durchgeführt. An der Erhebung nahmen knapp 1.300 Unternehmen aus 17 Spitzen-, Fach- und Regionalverbänden der Wirtschaft teil. Sie erfolgte im Zeitraum zwischen Mitte Dezember 2018 und Ende März 2019. Die Unternehmensbefragung 2019 – Finanzierungsklima trotzt der konjunkturellen Entwicklung steht unter www.kfw.de/unternehmensbefragung zum Download zur Verfügung.

BGA: Die G20 müssen jetzt liefern – EU schreitet voraus mit Unterzeichnung des Vietnamabkommens

„Ein weiteres deklaratorisches Bekenntnis zum Freihandel reicht nicht mehr. Wir erwarten, dass sich die Staats- und Regierungschefs auf dem G20-Gipfel endlich zusammenraufen und auf konkrete Vorschläge einigen, die verhindern, dass der Welthandel weiter ins Chaos abgleitet.

Angesichts der schlechten Aussichten für die globale Wirtschaft dürfen die großen Staaten nicht tatenlos zusehen, wie überall wieder Handelsbarrieren errichtet werden. In erster Linie brauchen wir eine gemeinsame Linie für eine Reform der Welthandelsorganisation WTO, die dem regelbasierten Handel und dem Prinzip der friedlichen Streitschlichtung wieder Geltung verschafft.“ Dies erklärt Dr. Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), heute in Berlin zum G20-Gipfel in Osaka.

„Mit Blick auf die aktuellen Handelskonflikte ist es richtig, dass die EU ihre eigenen Wege geht und mit der Öffnung neuer Märkte für europäische Unternehmen voranschreitet. Ein wichtiges Puzzlestück der weiteren Handelsliberalisierung ist das Freihandelsabkommen mit Vietnam, das jetzt am Wochenende unterzeichnet wird. Das Abkommen wird den Warenaustausch beider Regionen erheblich steigern, indem die Zölle auf 99 Prozent der Waren über einen Zeitraum von zehn Jahren gesenkt und weitere Handelshemmnisse beseitigt werden“, so Bingmann abschließend.

BGA-Pressemitteilung vom 28. Juni 2019

BGA: Erster richtungsweisender Tarifabschluss im Groß- und Außenhandel

Im Groß- und Außenhandel mit seinen bundesweit rund 1,7 Millionen Beschäftigten gibt es einen ersten Tarifabschluss. 

Das gestern Abend in der dritten Verhandlungsrunde in Nordrhein-Westfalen erzielte Tarifergebnis sieht bei einer 24-monatigen Laufzeit eine zweistufige Erhöhung um 3,0 Prozent nach zwei Leermonaten im ersten Jahr der Laufzeit und weitere 1,9 Prozent nach einem Leermonat in zweiten Jahr der Laufzeit vor. Dazu erklärt Dr. Wilhelm von Moers, Vizepräsident für den Bereich Tarifpolitik des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), heute in Köln:

„Der Tarifabschluss ist ein gerade noch tragfähiger Kompromiss bei einer sich eintrübenden Konjunktur. Die Arbeitgeber im Groß- und Außenhandel sind damit an die Grenzen der Belastbarkeit gegangen. Angesichts der anhaltenden Unwägbarkeiten in Europa und der Welt haben sich einige Unternehmen extrem schwer getan, diesen Kompromiss mitzutragen.

Letztlich wird der Tarifabschluss aber den Interessen beider Seiten gerecht. Die Tarifpartner haben erneut ihre Handlungsfähigkeit bewiesen, und die Unternehmen haben nun Planungssicherheit für die Personalkosten in den nächsten zwei Jahren. Es ist davon auszugehen, dass dieses Ergebnis Grundlage für weitere Abschlüsse in den anderen Tarifgebieten sein wird.“

BGA-Pressemitteilung vom 27. Juni 2019