Direkt aus Berlin

Wochennachrichten aus Politik und Wirtschaft | Ausgabe 15 | 8. August 2019

Konjunktur 

Wirtschaft im Spagat zwischen schwierigem außenwirtschaftlichem Umfeld und robuster Binnenwirtschaft

Die Industriekonjunktur entwickelt sich weiterhin schleppend, so das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in seiner zusammenfassenden Bewertung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland im Juli 2019. Auch lässt die aktuelle Datenlage eine ruhigere Gangart im Dienstleistungsbereich erwarten. Damit deutet sich für das zweite Quartal aus Sicht des BMWi eine schwache konjunkturelle Grundtendenz an.

Nach einer überraschend starken Entwicklung der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal deuten die aktuellen Konjunkturindikatoren auf eine verhaltene Entwicklung im zweiten Vierteljahr hin. Die Signale aus dem Dienstleistungssektor legen nahe, dass das starke Wachstum zum Jahresauftakt im zweiten Quartal etwas nachlassen dürfte. Zudem hält die industrielle Schwächephase weiter an. Die Industrieproduktion hat sich zuletzt zwar auf niedrigem Niveau etwas erholt, zeigt aber schon seit dem Jahreswechsel 2017/18 eine abwärts gerichtete Tendenz, so das BMWi. Die schwache Auftragslage und das eingetrübte Geschäftsklima signalisieren, dass die deutlich gedämpfte Industriekonjunktur anhalten dürfte. Zuletzt verzeichnete das Baugewerbe ebenfalls kräftige Produktionsrückgänge, allerdings von einem sehr hohen Niveau aus. Nach der sich abzeichnenden verhaltenen Entwicklung im zweiten Vierteljahr könnten die Auftriebskräfte wieder stärker zum Tragen kommen, wenn sich das außenwirtschaftliche Umfeld wieder beruhigen würde, hofft das BMWi. Derzeit bestehen jedoch erhebliche Abwärtsrisiken, nicht zuletzt durch die Handelskonflikte, den Brexit-Prozess und geopolitische Spannungen.

Die deutsche Wirtschaft meistert aus Sicht des BGA bisher mit Bravour die auseinanderfallende Entwicklung in den außenwirtschaftlich orientierten Wirtschaftsbereichen und den auf die Binnenwirtschaft fokussierten Unternehmen. Ob und wie lange diese Situation Bestand haben kann, ist nicht absehbar. Allerdings teilt der BGA die Einschätzung des BMWi, dass sich auch binnenwirtschaftlich erste abschwächende Signale zeigen. Zur Lage und den weiteren Perspektiven führt der BGA vor diesem Hintergrund seine traditionelle Umfrage bei den Unternehmen des deutschen Groß- und Außenhandels durch. Zugleich fragt er auch das Stimmungsbild bei den unternehmensnahen Dienstleistern ab. Die Ergebnisse der Umfragen sollen Ende August 2019 vorliegen.  [Michael Alber]