Direkt aus Berlin

Wochennachrichten aus Politik und Wirtschaft | Ausgabe 16 | 27. August 2019

 

Thema der Woche

Xtra-Pay - Ein Dankeschön an Bauern

Viele Konsumenten wären bereit, einen höheren Preis für Nahrungsmittel aus Entwicklungsländern zu zahlen – vorausgesetzt, ihr Geld kommt direkt beim Bauern an. XtraPay macht internationale Lieferketten transparenter und stellt eine direkte Verbindung zwischen Produzent und Konsument her. Jetzt wird das Modell in zehn Braunschweiger Supermärkten erprobt.

„XtraPay ist gut durchdacht, passt zu unserem Unternehmen und ist für den Händler einfach gemacht“, diese Idee verfängt sich auch beim Verkaufsleiter Marco Weiße der Görge Frischemärkte in Braunschweig. Seit Mitte August pilotiert das Familienunternehmen XtraPay in zehn Märkten. Am 16. und 17. August fand die Auftaktveranstaltung in drei Görge Frischemärkten statt. Dort konnten die Kunden mittels einer Virtual Reality Brille sogar die Tropigha Farm in Ghana besuchen und sich ein Bild vom Anbau machen. Auch die Entwickler von XtraPay waren vor Ort. Und natürlich wurden viele Ananas verkauft.

Mit XtraPay kann der Supermarktkunde Farmarbeitern in Entwicklungsländern freiwillig einen Bonus von 20 Cent zahlen. Wie aber funktioniert XtraPay? Der Kunde muss lediglich im Supermarkt ein Kärtchen, das am Pilotprodukt Ananas befestigt ist, auf das Kassenband legen. Die Kassierer scannen das Kärtchen gemeinsam mit den Einkäufen ein. Die Konsumenten tragen so ohne großen Aufwand dazu bei, soziale Ungleichheiten in Entwicklungsländern zu reduzieren. Zudem erfahren sie auf dem Kärtchen mehr über den Ursprung ihrer Ananas. Anna Peter, Initiatorin des Projekts, erläutert die Idee: „Mit XtraPay stellen wir eine einzigartige Verbindung zwischen Endverbraucher und Farmarbeiter her. Konsumenten erfahren, woher ihre Produkte kommen und können sich bei den Menschen am Anfang der Lieferkette ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen.“

Die Arbeiter erhalten ihre Anerkennung in Form von "Mobile Money" direkt aufs Handy. Mit Mobile Money können die Farmarbeiter vor Ort in Geschäften bezahlen oder auch Bargeld abheben.

Die Idee zu XtraPay stammt von einem vierköpfigen Team sogenannter EZ-Scouts, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) an Kammern, Verbände und Vereine der deutschen Wirtschaft entsandt werden. Dort fördern  sie als Experten der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) unternehmerisches Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Scouts hatten XtraPay 2017 bei einem Innovationswettbewerb eingereicht, den die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) 2017 unter ihren Mitarbeitern auslobte. Damit setzten sie sich gegen 250 Mitbewerber durch und entwickelten XtraPay mit professioneller Unterstützung bis zur Marktreife.

Umgesetzt wird XtraPay vom EZ-Scout Programm im Auftrag des BMZ. Die Implementierung erfolgt in Kooperation mit dem BGA, den Görge Frischemärkten, MTN Ghana, Tropigha Farms Ltd. und dem GIZ Programm zur Förderung marktorientierter Landwirtschaft in Ghana,welches Unternehmen und Arbeiter durch Schulungen in guten Anbaupraktiken und Vermarktung unterstützt.  [Anna Peter]