Direkt aus Berlin

Wochennachrichten aus Politik und Wirtschaft | Ausgabe 10 | 16. Juni 2020

Steuern

Verbändebündnis für Erweiterung der Verlustverrechnung

Die Erweiterung der geltenden Regelung zur Verlustverrechnung und die Einführung einer Corona-Rücklage stärken die Liquidität im Mittelstand. Die Auswirkungen der Corona-Krise führen bei den Unternehmen zu stornierten und weggebrochenen Aufträgen und Umsätzen, in deren Folge sie Corona-bedingt mit Verlusten rechnen müssen, deren Verrechnung jedoch zeitlich und in der Höhe begrenzt sind. Zudem sollte für Unternehmen, die im Jahr 2019 noch Gewinne erwirtschaftet haben, die Möglichkeit einer steuerfreien „Corona-Rücklage“ geschaffen werden, die den Gewinn 2019 mindert und später - in den Jahren 2020 oder ggf. 2021 - aufzulösen ist. Mit diesem Petitum hat sich der BGA, ergänzend zu seiner eigenen Initiative mit grundsätzlichen und weitergehenden steuerlichen Anforderungen, gemeinsam mit 36 weiteren Verbänden anlässlich der öffentlichen Anhörung zum Corona-Steuerhilfegesetz in einem Schreiben an den Finanzausschuss des Deutschen Bundestages gewandt.

Unternehmensexistenzen, der Erhalt von Arbeitsplätzen und die zukünftigen Beiträge zur Finanzierung des Gemeinwesens hierzulande hängen ganz wesentlich von der Frage ab, wie mit den krisenbedingten aktuellen und zukünftigen Verlusten umgegangen wird, so die Verbände in ihrem Schreiben. Sie verweisen darauf, dass insbesondere mittelständische Betriebe in die Lage versetzt werden müssen, aus eigener Kraft eine Stärkung der Liquidität, die sie dringend für einen Neustart benötigen, zu verschaffen. Instrumente und Vorgehensweisen sind nach gemeinsamer Überzeugung der Verbände erforderlich, die über alle Branchen gleichermaßen anwendbar sind und insbesondere solche Unternehmen, die vor der Pandemie erfolgreich aufgestellt waren, bei ihrem Weg zurück in diesen Status zu unterstützen und so auch Zukunftsfähigkeit zu ermöglichen.

Die kurzfristig bereits geschaffene Möglichkeit eines vorgezogenen pauschalen Verlustrücktrags reicht nicht aus, da diese für viele Unternehmen wegen der prozentualen und absoluten Begrenzungen keine spürbar liquiditätsfördernde Unterstützung bedeute, so die Verbände weiter. Mittelständische Unternehmen werden allein in diesem Jahr erhebliche Verluste erleiden, denen ein pauschaler prozentualer Verlustausgleich mit einer Höchstgrenze von einer Million Euro nicht gerecht wird. Es müsse daher darüber hinaus zeitnah eine gesetzliche Ausweitung des Verlustabzugs erfolgen, so dass alle Corona-Verluste der Unternehmen vollständig steuerlich berücksichtigt werden. Der Verlustrücktrag sollte dazu zeitlich auf mehr als ein Jahr ausgedehnt und das Rücktragsvolumen deutlich angehoben werden. Außerdem sollte die sogenannte Mindestbesteuerung temporär aufgehoben werden, so dass ein Verlustvortrag in den folgenden Jahren unbeschränkt möglich ist.  [Michael Alber]