Großhändler für wirtschaftlichen Neustart, aber umsichtig!

Die Corona-Krise und deren Eindämmung haben auch auf den Großhandel in ihrer Breite massive Auswirkungen. Die Stimmung ist auf einen neuen Tiefstand seit erstmaliger Erhebung des Großhandelsklimaindikators im Jahr 1998 gesunken. Aber die Großhändler zeigen auch Verständnis für die Maßnahmen der Bundesregierung, auch wenn viele sie für unzureichend halten oder sich zu wenig einbezogen fühlen.


Die Stimmung ist deutlich schlechter als während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09. Der Lockdown in weiten Teilen der Wirtschaft hat im Großhandel zu einem Wegbrechen von Umsätzen und Erträgen sowie zur Stornierung und zum Ausbleiben von Aufträgen geführt.
Der BGA-Großhandelsklimaindikator ist, nachdem er sich zum Jahreswechsel 2019/20 mit 97 Punkten auf verhaltenen Niveau stabilisiert hatte, nun um 29 Punkte auf nur noch 69 Punkte abgestürzt und damit deutlich in den pessimistischen Bereich gerutscht. Zum Vergleich: In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 brach er von einer positiven Stimmung mit 107 Punkten auf knapp über 83 Punkte ein.


Ein Stimmungsumschwung ist derzeit nicht erkennbar: Die Erwartungen liegen noch unter der Lagebewertung, auch wenn Kapazitätsauslastung und Auftragslage perspektivisch weniger pessimistisch gesehen werden. Die Stimmung wird im Wesentlichen von zwei Faktoren beeinflusst.
Die Haupthürden für die wirtschaftliche Geschäftstätigkeit sehen die Unternehmen:

  • im wirtschaftlichen Lockdown (36 Prozent)
  • in fehlenden bzw. zu geringen Aufträgen (32 Prozent)
  • Störungen in der Lieferkette (15 Prozent)


Weitere Aspekte wie knappe Liquidität, Erschwernisse in Transport und Logistik, geringe Flexibilität in der Beschäftigung sowie bürokratische Hindernisse werden ebenfalls genannt, jedoch als weniger wichtig wahrgenommen.
Die Unternehmen machen es sich nicht leicht mit der Abwägung zwischen dem betrieblich Gebotenen für das wirtschaftliche Überleben und den gesellschafts- sowie gesundheitspolitischen Anforderungen. Obwohl viele Unternehmen monieren, die Hilfen seien unzureichend oder nicht passgenau, unterstützen sie mehrheitlich den Kurs eines langsamen Neustarts der Bundesregierung bzw. folgen sie deren Entscheidungen auf Grund der komplexen Sachlage. Gleichwohl dringen 43 Prozent der befragten Großhändler auf einen schnellen Neustart.


Bei der wirtschaftspolitischen Strategie sind sich die Unternehmen weitgehend einig: Drei von vier Unternehmen plädieren für Impulse in ganzer Breite für Wirtschaft und Arbeitnehmer durch Entlastungen bei Steuern und Abgaben, Investitionen in die Infrastruktur, digitalen Wandel und Bildung sowie weniger Bürokratie. Es bedarf baldiger Signale für den strategischen Neustart, damit der wirtschaftliche Einbruch rasch aufgearbeitet werden und eine Anschlussrezession vermieden werden kann. Ohne das Vertrauen von Wirtschaft und Arbeitnehmer in einen klaren und verlässlichen Weg aus der Krise wird es nicht gehen.


Eine detaillierte Analyse der Ergebnisse wird in Kürze als Sonderausgabe von Trends & Analysen Großhandel vorliegen.

 

Dipl.-Volkswirt Michael Alber
Geschäftsführer
Volkswirtschaft und Finanzen
Telefon: 030 590099-570
E-Mail: Michael.Alber(at)bga.de

Im BGA ist er Ansprechpartner für alle volkswirtschaftlichen Fragestellungen. Auf Grundlage der Daten des Statistischen Bundesamtes und wissenschaftlicher Institutionen analysiert er die konjunkturelle Entwicklung im Großhandel und der Gesamtwirtschaft. In Veröffentlichungen wie Trends & Analysen Großhandel sowie dem monatlichen Konjunkturbarometer informiert er über die Perspektiven für die Wirtschaftsstufe.